Ferienzeit ist Impfzeit

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Bei Fernreisen sind Infektionskrankheiten ein häufiges Problem. Das geht von "Montezumas Rache" (Dünnpfiff) bis zu Cholera.

Eine aktuelle Analyse der Häufigkeit von impfbaren Reiseinfektionen hat Prof. Tomas Jelinek vom Berliner Zentrum für Reisemedizin beim DGIM-Kongress vorgestellt (J Trav Med 2015; 22: 1-12).

Pro Monat Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen leidet etwa einer von 30 Reisenden unter einer Gastroenteritis durch enterotoxische E. coli (ETEC), einer von 100 Reisenden unter einer Influenza, einer von 3000 Reisenden unter Typhus (nur in Südostasien!) sowie einer von 8000 Reisenden unter Hepatitis A.

 

Cholera-Impfung wirkt auch gegen ETEC

Gegen ETEC-Enteritis empfiehlt sich die Schluckimpfung gegen Cholera (Dukoral)®. Nach Studiendaten schützt dieser Impfstoff auch gegen ETEC.

Bis zu 40 Prozent der Reisedurchfälle liessen sich damit verhindern. Der Impfstoff ist jedoch nur in der Schweiz und nicht in Deutschland zur Prävention von ETEC-Infektionen zugelassen und muss "off-label" gegeben werden.

 

"In Südostasien hat Typhus inzwischen Hepatitis A bei der Inzidenz überholt", berichtete Jelinek weiter. Weil schon eine sehr geringe Menge von Keimen für die Infektion ausreicht, sollte bei Reisen in die Region generell gegen Typhus geimpft werden, und zwar "auch bei dem Manager, der nur in Neu-Delhi im Hilton-Hotel absteigen will".

 

Schutz vor Tollwut wichtig

Die Schutzwirkungen der parenteralen als auch der oralen Impfstoffe liegen bei 60 - 70 Prozent. Gute Erfahrungen hat man auch mit der Schutzimpfung gegen Hepatitis A plus Typhus in einer Spritze gemacht.

Schliesslich rät Jelinek bei Fernreisen auch zum Tollwutschutz. Die stets tödliche Infektion ist zwar sehr selten, bei 20 bis 100 Reisenden kommt es jedoch zu Tierbissen mit potenziellem Tollwutrisiko.

Reisenden seien oft Erwachsene, die sonst nie zum Arzt gehen, sagte Jelinek abschliessend. Bei der Gelegenheit sollte daher stets auch der Basisimpfschutz überprüft und Impflücken geschlossen werden.

 

Quelle: publiziert am: 29.4.2015 auf Springer Medizin (Ärzte Zeitung)

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